3. Kontinenzzentrum
Therapie der männlichen und weiblichen Harninkontinenz
- Beckenboden- und Inkontinenzzentrum an der Weser (biw)
- EMDA-Therapie
- Botox-Therapie
- Kontinenzsprechstunde
- Urodynamik (Video)
- Male sling (Männerband)
- künstliche Schließmuskel
- sakrale Neurostimulation
Ansprechpartner Herr Germeroth
Harninkontinenz, auch als unfreiwilliger Urinabgang oder Blasenschwäche bezeichnet, ist eine der häufigsten urologischen Erkrankungen überhaupt.
Nach Angaben des Selbsthilfeverbandes „Inkontinenz“ leiden in Deutschland etwa 5-8 Mio. Menschen an Blasenschwäche. Die Dunkelziffer, d.h. die wahre Anzahl erkrankter Patienten dürfte wesentlich höher liegen, da viele Menschen aus Scham oder Unwissenheit nicht zum Arzt gehen. Geht man von den Verkaufszahlen der Hersteller für Inkontinenz-Hilfsmittel aus, so dürften in Deutschland aber tatsächlich mehr als 10 Mio. Menschen an dieser Erkrankung leiden – und die Zahl nimmt im Zuge der zunehmenden Alterung unserer Bevölkerung zu. Frauen sind von diesem Problem wesentlich häufiger betroffen als Männer.
Inkontinenz ist eine Erkrankung und kein Schicksal
Viele Menschen leiden nicht nur körperlich, sondern auch seelisch durch dieses Problem und ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Aus dieser sozialen Isolation können erhebliche psychische Probleme auftreten. Darüber hinaus schränken körperliche Symptome, wie Hauterkrankungen, Pilzerkrankungen oder Harnwegsinfektionen die Lebensqualität nachhaltig ein. Die Ursachen der Inkontinenz sind vielfältig; sie tritt häufig infolge oder im Verlauf anderer Krankheiten auf. Daher ist es vor einer Behandlung unbedingt erforderlich, diese Ursachen exakt zu ermitteln, um den Patienten die geeignete Therapieform anbieten zu können.
Formen der Harninkontinenz
Ärzte unterscheiden verschiedene Erscheinungsformen der Harninkontinenz. Die häufigsten Formen sind die sogenannte „Streß- oder Belastungsinkontinenz“ und die „Drang-Inkontinenz“.
Bei der „Belastungs-Inkontinenz sind die Betroffenen durch eine Schwäche der Becken-bodenmuskulatur und des Schließmuskels der Harnblase bei körperlicher Belastung (Husten, Niesen, Heben) nicht mehr in der Lage, den Urin zu halten. Die Störung wird in verschiedene Grade eingeteilt: Urinverlust mit wenigen Tropfen, bis hin zum völligem Kontrollverlust über die Harnblase, so daß der Urin unkontrolliert und ohne Harndrang abläuft. Diese Störung betrifft insbesondere Frauen, z.B. nach vielen Geburten, schwerer körperlicher Arbeit im Leben oder nach Unterleibsoperationen. Aber auch Männer können von diesem Problem betroffen sein, nach Operationen an der Prostata, wie z.B. der totalen Prostataentfernung bei Prostatakrebs.
Dem gegenüber ist die „Drang-Inkontinenz“ oder „Reizblase“ durch häufigen, starken oder quälenden Harndrang gekennzeichnet, der dazu führt, daß Patienten sehr häufig am Tage, aber auch in der Nacht für geringe Urinmengen zur Toilette gehen müssen. Diese Störung führt dazu, daß die Betroffenen kaum noch an Aktivitäten des täglichen Lebens, wie z.B. Einkaufen, Reisen oder Theaterbesuche, teilnehmen können.
Die „Drang-Inkontinenz“ tritt häufig in Verbindung mit anderen Erkrankungen, wie z.B. der Parkinson`schen Erkrankung, nach Schlaganfällen oder Bestrahlungen im Unterleib, auf. Diese Form der Inkontinenz kann bei Männern, wie bei Frauen gleichermaßen auftreten.
Seltenere Formen der Inkontinenz sind die sogenannte „Überlauf-Inkontinenz“, die – insbesondere bei Männern – aufgrund von Prostataerkrankungen oder nach Operationen im Becken, wie z.B. Dickdarmoperationen, auftreten kann und die „Reflex-Inkontinenz“, die sich vor allem bei querschnittsgelähmten Patienten findet.
Gründliche Diagnostik ist entscheidend für den Therapieerfolg
Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist eine gezielte Diagnostik. Diese umfaßt neben der körperlichen Untersuchung die Ultraschalldiagnostik, die Spiegelung der Harnblase, die durch biegsame Endoskope mittlerweile schmerzfrei durchgeführt werden kann und die Blasendruckmessung (Urodynamik). Durch die ausführliche Auswertung dieser Untersuchungsmethoden kann der urologische Facharzt exakt die Form der Inkontinenz und die zugrunde liegenden Ursachen ermitteln und den Patienten gezielt die richtige Therapie vorschlagen.
Jede Form der Inkontinenz kann behandelt werden
Für die allermeisten Inkontinenzformen stehen mittlerweile eine Reihe von konservativen, d.h. nicht-operativen und operativen Möglichkeiten zur Verfügung. Grundsätzlich gilt es für jeden Patienten – gemessen an Nebenerkrankungen, Lebensalter oder eigenem Behandlungswunsch – die geeignete Form der Therapie zu ermitteln. Für die „Streß-Inkontinenz“ müssen in der Regel operative Verfahren angewandt werden. Hierzu stehen mittlerweile auch „minimal-invasive“, d.h. schonende, operative Verfahren zur Verfügung. Dabei werden Kunststoffbänder oder Netze in den Beckenboden eingelegt, die die Muskulatur unterstützen und damit verhindern, daß der Urin ungewollt abgeht.
Auch für die männliche „Streß-Inkontinenz“ – z.B. nach Prostataoperationen – gibt es derartige Bänder; die besten Ergebnisse werden aber mit künstlichen Schließmuskeln erreicht, die operativ um die Harnröhre gelegt werden und dem Patienten ermöglichen, die Blasenentleerung selbständig zu steuern. Eine Alternative mit sehr geringem Aufwand ist die Stabilisation des Schließmuskels durch Unterspritzung mit speziellen Gelen.
Für die „Drang-Inkontinenz“ stehen in erster Linie medikamentöse Behandlungskonzepte zur Verfügung, die den Blasenmuskel beruhigen und damit den ständigen Harndrang reduzieren. Ein neues, sehr vielversprechendes Verfahren, bei dem eine Nervenblockade durch ein spezielles Medikament (Botox) durch Injektion in den Blasenmuskel erzielt wird, wird derzeit in unserer Klinik angewandt.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt
Blasenschwäche ist kein unabwendbares Schicksal oder altersbedingtes Übel, sondern eine Krankheit, die in den allermeisten Fällen behandelt werden kann. Sprechen Sie das Problem offen bei Ihrem Hausarzt oder dem urologischen Facharzt an, der die entsprechende Diagnostik einleiten und durchführen wird. Die Urologische Abteilung der Seepark-Klinik Debstedt als offizielle Inkontinenz-Beratungsstelle der Deutschen Kontinenzgesellschaft e.V. bietet nahezu sämtliche operativen und konservativen Behandlungsformen der Blasenschwäche an und steht Ihnen auch für Informationen zu diesem Krankheitsbild jederzeit zur Verfügung.

