Hochintensivierter fokussierter Ultraschall
Ansprechpartner Herr Hauffe
Grundsätzlich konkurriert die Indikation zur HIFU-Behandlung in keiner Weise mit der radikalen Prostatektomie; die chirurgische Therapie hat nach wie vor als wirksamstes Behandlungsverfahren beim Prostatacarcinom die höchste Priorität in unserer Klinik. Dennoch ist HIFU eine hochwirksame Alternative für ein spezielles Patientenklientel und außerordentliche Indikationen wie z. B. das Lokalrezidiv nach radikaler Prostatektomie oder Strahlentherapie, Patienten mit höheren Lebensaltern oder relevanten Komorbiditäten sowie die Patienten, die dieses Verfahren ausdrücklich wünschen.
Ausschluß-Kriterien für eine Behandlung sind entzündliche oder tumoröse Enddarmerkrankungen sowie nicht-behandelte, blutungsgefährdete Hämorrhoiden. Prostatavolumina über 50 cm² erfordern zunächst eine transurethrale Resektion zur Volumenverkleinerung ebenso stellen ausgedehnte Prostataverkalkungen ein Problem für die Ultraschallapplikation aufgrund der Reflektion dar.
Wir empfehlen unseren Patienten routinemäßig vor HIFU eine transurethrale Resektion durchführen zu lassen, da die vorherige Resektion die postoperative Rate an Harnwegsinfekten deutlich senkt und die Zeit der postoperativen Katheterisierung erheblich verkürzt. In der Regel können wir bei den resezierten Patienten den Katheter am 3. bis 5. postoperativen Tag entfernen gegenüber bis 14 Tage bei nicht-resezierten Patienten.
Eine spezielle präoperative Diagnostik ist zur HIFU nicht erforderlich, wir benötigen die üblichen Befunde wie PSA, Histologie der Prostatabiopsie, aktueller Urinstatus mit Kultur, ggf. internistische Umfelddiagnostik bei entsprechenden Vorerkrankungen. Urogramm optional, Ausbreitungsdiagnostik (Knochenszintigramm, Becken-MRT) nur bei Verdacht auf lokal fortgeschrittene Tumoren.
Die Behandlung selbst erfolgt auf einem speziellen Applikationstisch, der Patient befindet sich in Seitenlage. Der Eingriff kann sowohl in Voll- als auch in Spinalanästhesie durchgeführt werden. Behandlungsdauer ca. 1,5 bis 2,5 Stunden, je nach Prostatavolumen.
Die Applikation der zuvor berechneten Impulse erfolgt unter ständiger Realtime-TRUS-Kontrolle in 2 Ebenen, das Gerät verfügt über verschiedene Sicherheitssysteme, die zu einem sofortigen Abschalten führen sobald sich der Patient beispielsweise bewegt oder die Temperatur an der Applikationssonde einen bestimmten Maximalwert überschreiten sollte.
Nach der Behandlung erfolgt eine transurethrale Harnableitung für 3 Tage, anschließend Entfernung des Katheters und Entlassung des Patienten, so dass der stationäre Aufenthalt i.d.R. ca. 5 Tage beträgt. Sollte die Spontanmiktion noch nicht möglich sein, erfolgt die Entlassung mit liegender Harnableitung zur späteren, ambulanten Katheterentfernung. Im weiteren postoperativen Verlauf sind wiederholte Kontrollen der Urinkultur erforderlich, da häufig rezidivierende Harnwegsinfekte auftreten, wie sie auch für die anderen, ablativen Verfahren wie die Kryotherapie oder die früher durchgeführte interstitielle Laserung bekannt
sind. Hierbei findet sich häufig ein wechselndes Erregerspektrum, so dass die antibiotische Therapie nach Resistogramm angepasst werden muss. Zusätzlich empfehlen wir die
Einnahme von nicht-steroidalen Antiphlogistika für einen Zeitraum von 2-4 Wochen, um den abschwellenden Effekt im Operationsbereich auszunutzen.
Eine passager auftretende Urge-Symptomatik kann ebenfalls symptomatisch mit Spasmolytika therapiert werden. Höhergradige Stressinkontinenzen werden in der Literatur mit unter 1 % angegeben, und sind aufgrund der Operationstechnik auch eigentlich nicht zu erwarten. Gravierende Nebenwirkungen wie Blasen-Darmfisteln oder transfusionspflichtige Blutungen sind ebenfalls kasuistisch beschrieben, wir haben bei unseren HIFU-Behandlungen diese Nebenwirkungen bislang nicht beobachtet. Die Nebenwirkungsrate ist grundsätzlich erhöht bei einer zweiten HIFU-Behandlung.
Die Nachsorge der „HIFU-Patienten“ erfolgt analog der Nachsorge aller anderen Therapieverfahren des Prostatacarcinoms.
Wir evaluieren unsere Patienten neben dem PSA-Wert, DRU, Urinstatus und TRUS zusätzlich mit einem Miktions- und (bei nerverhaltender Applikation) Erektionsfragebogen nach 3, 6 und 12 Monaten. Diese Befunde werden entweder in der eigenen Abteilung erhoben oder bei den betreuenden, niedergelassenen Kollegen angefragt.

