Kniegelenksarthrose
Arthrose bezeichnet einen Verschleiß der Knorpeloberflächen. Häufige Ursachen der Kniegelenkarthrose sind altersbedingte Verschleißerscheinungen an den Gleitflächen des Kniegelenkes, verstärkt durch ungünstige Belastungen bei Achsabweichungen z.B. O-Bein oder X-Bein, Übergewicht, Rheuma, Sportverletzungen mit Meniskus- oder Band- oder Knorpelbeschädigungen.
Nicht operative Maßnahmen umfassen Gewicht abnehmen, Physiotherapie, Medikamente, Injektionen (z.B. Hyaluronsäure) oder andere abschwellende und schmerzlindernde Maßnahmen.
Erst wenn konservative Maßnahmen keinen durchgreifenden Erfolg gebracht haben, sollten operative Maßnahmen wie Arthroskopien, Kniegelenkteilersatz oder Vollersatz in Betracht gezogen werden.
Die Abbildung 1 zeigt ein Arthrosekniemodell
Schlittenprothese (Teiloberflächenersatz)
Die Schlittenprothese ist ein Teilersatz bei isolierten Arthrosebereichen (innen, oder Aussenanteil des Kniegelenkes). Die Teilversorgung setzt einen intakten Bandapparat des Kniegelenkes voraus.
Der Teilersatz besteht aus oberschenkelwärts aus einer Kufe aus Edelstahl (oder Titanlegierungen) mit zwei Verankerungszapfen. Auf der Gegenseite im Schienbeinbereich wir als Abdeckung des Schienbeines ein Plateau aus Polyethylen (sehr haltbarer Kunststoff) eingebracht. Die Verankerung erfolgt in der Regel mit Knochenzement.
Die Haltbarkeit der Teilprothesen ist etwas geringer als der Vollprothesen, da sich im Laufe der Jahre eine Schwäche der Bänder einstellt oder die Kniegelenksarthrose auch die noch nicht versorgten Anteile des Kniegelenkes betrifft. Langzeitstudien zeigen eine durchschnittliche Standzeit von 85% nach 12 Jahren.
Abb 3.. Zeigt ein Schlittenprothesenmodell
Oberflächenersatz
Bei fortgeschrittenen Knorpelschäden schon in mehreren Bereichen des Kniegelenks ist die Versorgung mit einem Oberflächenersatz sinnvoll. Dabei werden die Gelenkanteile mit einer „ Überkronung“ versehen. Die Oberschenkelschale besteht in unserem Hause aus einer Titanlegierung und kann in der Regel zementfrei eingebracht werden. Auf der Schienbeinseite wird auf der Unterschenkelseite eine Metallplatte einzementiert und ein Gleitkern aus Polyethylen (gehärteter Kunststoff) eingesetzt Diese Versorgungsform setzt einen stabilen Bandapparat voraus.
Der Oberflächenersatz gehört zu den erfolgreichsten Eingriffen der Orthopädie mit einem Zufriedenheitsindex bei über 90 % der Patienten. Der Kunststoffgleitkern reduziert sich nach 10-15 Jahren, so dass der Gleitkern oder einzelne Komponenten dann gewechselt werden müssen. Die durchschnittliche Standzeit der Oberflächenprothesen beträgt nach 15 Jahren zwischen 91- 95 %.
„Frauenknie“- geschlechtsspezifische Kniegelenke
Zu den geschlechtsspezifischen Prothesenmodellen sind noch keine mittel- oder langfristigen Resultate bekannt. Insofern ist eine Bewertung des „ gender knees“ zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich. Durch die computerunterstützte präoperative Planung ist jedoch in unserem Hause eine exakte Versorgung mit modularen Prothesenmodellen für jeden Fall individuell möglich.
Gekoppelte Prothesen
Zeigt der Bandapparat Instabilitäten oder findet sich ein erhöhter Substanzverlust des Knochens finden teil. Oder ganz-gekoppelte Prothesen Anwendung. Die Verankerung im Knochen erfolgt in der Regel mit Knochenzement im Oberschenkel- bzw. Schienbeinbereich.
Abb. 5: zeigt ein gekoppeltes Knieprothesenmodell
Operativer Eingriff
Die Narkoseform ist frei wählbar in Teilnarkose (Spinalanästhesie) oder Vollnarkose. Der Eingriff dauert in der Regel zwischen einer und 1.5 Stunden. Das Kniegelenk wird mit einem Hautschnitt auf der Kniegelenkvorderseite eröffnet. Die verschlissenen Gelenkanteile werden entfernt und die Knochenoberfläche nach zuvoriger computerisierter Größen- und Lageplanung bearbeitet. Dann werden die Oberflächen „überkront“. Für die postoperative Schmerztherapie werden Schmerzkatheder oder leistungsfähige Schmerzmittel eingesetzt.
Abb. 6 und 7 zeigen einen präoperative Planung mit der definitiven Versorgung bei einer O-Bein Deformität mit Kniegelenksarthrose
Stationärer Aufenthalt und Nachbehandlung
In der Regel umfasst der stationäre Aufenthalt 10-12 Tage, danach schließt sich eine stationäre oder ambulante Rehabilitation an. Die Nachbehandlung ist sehr wichtig. Im Vordergrund stehen regelmäßige Bewegungsübungen, damit der Streckapparat des Kniegelenkes nicht verklebt. Am ersten oder zweiten Tag erfolgt schon die Mobilisation aus dem Bett bzw. da Gehen mit zwei Unterarmgehstützen. Das Kniegelenk wird während der Zeit des stationären Aufenthaltes täglich mit motorgetriebenen Motorschienen beübt. Zur Entlassung sollte mindestens eine Beweglichkeit von 90 Grad erreicht sein.
Risiken und Komplikationen
Glücklicherweise sind die Risiken der operativen Eingriffe am Bewegungsapparat in den letzten Jahren aufgrund der Weiterentwicklung medizinischer Operationsverfahren kontinuierlich geringer geworden. Dennoch sollte ein Eingriff immer sorgfältig abgewogen werden. An speziellen Risiken zählen Thrombosen (Gerinnsel) vorwiegend im Wadenbereich oder Embolien (fortgeleitete Gerinnsel) , Wundheilungsstörungen, Verklebungen mit Bewegungseinschränkungen, Lockerungen, Infektionen , Gefäß- Nervenverletzungen und Restschmerzen. Diese Risiken treten mit einer Häufigkeit von 1.6 -5 % auf. Die Reduzierung dieser Risiken umfasst Thrombosespritzen zur Verhütung von Thrombosen, Thrombosestrümpfe und die Bewegungstherapie sowie die Antibiotikaprophylaxe bei jedem künstlichen Gelenkersatz .
Verhaltensregeln zum Erfolg der Operation
- regelmäßige physiotherapeutische Übungen, auch nach der Entlassung aus der Klinik fortsetzen
- Gehstützen korrekt einsetzen
- Aufrechter Gang , Stolperfallen- glatte Stellen vermeiden
- Schnürschuhe mit weichen Sohlen tragen
- Gewicht optimieren, keine Stoßbelastungen für die Prothese, Überbelastungen vermeiden
Geeignete Sportarten sind:
Radfahren (Heimtrainer) , schwimmen, wandern, Golfspielen,
ungünstige Sportarten wären-
Kontaktsportarten, Volleyball, Basketball, Leichtathletik, Langlauf








