Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
Weiterbildungsermächtigung: 4 Jahre in der Anästhesiologie
Weiterbildungskonzept zur Erlangung
der Bezeichnung
Fachärztin/Facharzt für Anästhesiologie
Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
Klinik Am Bürgerpark, Bremerhaven
Seepark-Klinik Debstedt
Chefarzt: Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Rümelin
Das Weiterbildungskonzept der Klinik für Anästhesiologie basiert auf den aktuellen Anforderungen an die Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesiologie gemäß der aktuellen Weiterbildungsordnung. Der Ausbildungsstand der Weiterzubildenden wird in jährlichen Gesprächen überprüft und in den hierfür vorgesehenen Weiterbildungsnachweisen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie (DGAI) dokumentiert.
Im vorliegenden Konzept werden die praktischen und theoretischen Ausbildungsinhalte aufgeführt, die die Grundlage für die Weiterbildungsgespräche am Ende jeden Weiterbildungsjahres bilden.
Von der vorgegebenen Reihenfolge in der Weiterbildung kann je nach Ausbildungsstand des Weiterzubildenden sowie nach den erforderlichen Anforderungen an flexiblen Arbeitseinsatz des Facharztkandidaten abgewichen werden.
Dieses Konzept soll im Sinne eines kontinuierliche Verbesserungsprozesses ständig fort- und weiterentwickelt werden; hierzu ist die Einbindung der Weiterbildungsassistenten ausdrücklich erwünscht.
Bremerhaven/Langen 2010
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Rümelin
Theoretische Lerninhalte Facharztweiterbildung Anästhesiologie
1. 1./2. Ausbildungsjahr
1.1 Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie
Herz-, Kreislaufsystem; zentrales, peripheres, vegetatives Nervensystem; Lunge und Gasaustausch; Säure-/ Basenhaushalt; Nierenfunktion; Wasser- und Elektrolythaushalt; Blutgerinnung und Hämostase; endokrines System.
1.2 Pharmakologie
Intravenöse und volatile Anästhetika; Pharmakokinetik; Muskelrelaxantien; Lokalanästhetika; Analgetika
1.3 Medikolegale und wirtschaftliche Aspekte
Aufklärung und Dokumentation; Leit- und Richtlinien; gesetzliche Grundlagen; ökonomische und ökologische Aspekte der Anästhesie
1.4 Gerätekunde
Narkosegeräte; Beatmungsgeräte; Monitoring; Infusions- und Spritzenpumpen incl. PCA/PCEA-Geräte; Defibrillatoren; Nervenstimulatoren und Relaxometer; Autotransfusionsgeräte; Point of Care-Geräte
1.5 Prämedikationsuntersuchung und Gespräch
Anamnese und präoperative Untersuchung; Erkennen anästhesierelevanter Begleitsymptome; Umgang mit Dauermedikation; Risikoklassifizierung; Auswahl des Anästhesieverfahrens; medikamentöse Prämedikation; Veranlassung präoperativer Routinediagnostik; zusätzliche präoperative Untersuchungen
1.6 Anästhesieführung
Verfahren der Allgemein- und Regionalanästhesie (Inhalations-, balancierte Anästhesie, TIVA, Spinal-, Periduralanästhesie, periphere Nervenblockaden, kombinierte Verfahren); Atemwegsmanagement (Maskenbeatmung, LMA, Intubation); „der schwierige Atemweg"; Aspirationsrisiko und Nüchternheitsgebote; Beatmung; Lagerung; Wärmehaushalt
1.7 Volumen und Hämotherapie
Kristalloide und Kolloide; Hämotherapie incl. Richt- und Leitlinien; fremdblutsparende Maßnahmen (EBS und Autotransfusion)
1.8 Reanimation und Schock
Schockformen; Kardiopulmonale Reanimation nach Leitlinie; medikamentöse Therapie; Elektrotherapie
1.9 Maßnahmen und Besonderheiten
PONV; maligne Hyperthermie; Aspiration; Lungenembolie; allergische Reaktionen; Atemwegskomplikationen (Laryngo-, Bronchospasmus); Myokardischämie; Pneumo-, Hämatothorax
1.10 Aufwachraum und postoperative Visite
Hypoxämie; Hypo-, Hypervolämie; Hämodynamik (Hyper-, Hypotension und Differentialdiagnosen); Schmerztherapie; Lagerungsschäden
1.11 Anästhesie bei Begleiterkrankungen
Herz-, Kreislauferkrankungen; Lungenerkrankungen; Stoffwechselerkrankungen und endokrine Störungen; Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems, psychiatrische Störungen; Erkrankungen des blutbildenden Systems, Gerinnungsstörungen
1.12 Intensivmedizin
Funktion von Beatmungsgeräten; Grundlagen der invasiven und nichtinvasiven Beatmung; Analgesie und Sedierung; Diagnostik und Therapie kardiovaskulärer und respiratorischer Störungen; Volumen- und Katecholamintherapie; Flüssigkeits- und Hämotherapie; enterale und parenterale Ernährung; mikrobiologische Diagnostik und antibiotische Therapie, Hygienemaßnahmen, Umgang mit resistenten Erregern; Lagerungstechniken; Dokumentation und Berichterstellung, Formularwesen; Angehörigengespräche
2. 3. bis 5. Ausbildungsjahr
2.1 Spezielle Kenntnisse in der Anästhesiologie
2.1.1 Orthopädie und Unfallchirurgie
Endoprothetik einschließlich Wechseloperationen, Umstellungsosteotomien; Wirbelsäulenchirurgie (langstreckige Spondylodesen, transabdominelle und transthorakale Eingriffe, Tumoreingriffe an der Wirbelsäule); Orthopädische und unfallchirurgische Eingriffe bei Kindern; Eingriffe bei Schwerbehinderten; Polytrauma; Frakturen des höheren Lebensalters
2.1.2 Urologie
TUR und TUR-Syndrom; HIFU und Lasertherapie; PNL; Nephrektomie; transvesikale Prostatektomie; radikale Prostatektomie; Cystektomie mit und ohne Neoblase
2.1.3 Visceralchirurgie
Akutes Abdomen, Ileus; Laparoskopische Chirurgie (Galle, Appendix, Sigma, Hernien, Tumore); Große abdominelle Eingriffe (Magen, Pankreas, Colon);Thorako-abdominale Eingriffe (Ösophagusresektion); Schilddrüsenchirurgie
2.1.4 Thoraxchirurgie
Bronchoskopie; Mediastinoskopie; Thoraxdrainage; videoassistierte Thorakoskopie; Thorakotomie mit tracheobronchialen Resektionen
2.1.5 Kinderanästhesie
Physiologische, pharmakologische und psychologische Besonderheiten im Neugeborenen- und Kindesalter; Beatmung und Intubation; Nüchternheitsgrenzen; Flüssigkeits- und Temperaturhaushalt; Anästhesie bei diagnostischen Interventionen; Hernienchirurgie; Pylorusstenose, urologische Eingriffe; Kaudalanästhesie, Peniswurzelblock; Besonderheiten der postoperativen Schmerztherapie im Kindesalter
2.1.6 Anästhesie für ambulante Eingriffe
Gesetzliche Grundlagen; Aufklärung und Dokumentation; Kontraindikationen; Prämedikation und Anästhesieführung; Entlassungskriterien
2.1.7 Anästhesie für nichtoperative Maßnahmen
Bildgebende Verfahren (Röntgen, CT); endoskopische Untersuchungen; Bronchoskopien mit oder ohne Intervention (Jet-Ventilation); Innerklinischer und außerklinischer Transport
2.1.8 Im Rahmen der innerklinischen Fortbildungen sollen weiterhin Kenntnisse aus den Gebieten, Gynäkologie/Geburtshilfe, HNO, MKG-Chirurgie, Neurochirurgie und Augenheilkunde vermittelt werden. Im Rahmen des vorgeschriebenen Erwerbs praktischer Fertigkeiten besteht eine Kooperation mit den Anästhesieabteilungen der benachbarten Bremerhavener Kliniken.
2.2. Diagnostik und Therapie
2.2.1 Pathophysiologie von obstruktiven und restriktiven Ventilationsstörungen
COPD; Lungenfibrose; interstitielle Lungenerkrankungen; ostruktives Schlafapnoesyndrom; Lungenfunktionsdiagnostik; Blutgasanalyse
2.2.2 Pathophysiologie kardialer Erkrankungen
Interpretation und anästhesiologische Relevanz von EKG, Ergometrie, Echokardiographie und Herzkatheteruntersuchungen
2.2.3 Röntgendiagnostik der Thoraxorgane
Erkennen von Pneumothorax, Pleuraergüssen, Atelektasen, Lungenödem, Infiltraten, Tumoren, Frakturen; Lokalisation von Kathetern, Tuben und Drainagen; Veränderungen der Herzkonfiguration; Trachealverlagerungen; Raumforderungen
2.2.4 Kenntnisse in der Anforderung und Durchführung von Laboruntersuchungen
Blutbild; orientierende und weiterführende Gerinnungsdiagnostik; Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt; „Entzündungsparameter"; Nieren- und Leberfunktion; Blutzucker; Gewinnung mikrobiologischer Proben zur Erreger- und Resistenzbestimmung
2.2.5 Kenntnisse in der Transfusionsmedizin
Blutgruppensystem; Indikation zur Transfusion von Erythrozyten, Frischplasma, Thrombozyten und Gerinnungsfaktoren; Massentransfusion und adjuvante Verfahren (Tranexamsäure, DDAVP); Gesetzliche Bestimmungen bei der Anwendung von Blut und Blutbestandteilen; Formularwesen; Identitätssicherung; Dokumentation; Einsatz fremdblutsparender Maßnahmen einschließlich Kontraindikationen
2.2.6 Therapie akuter und chronischer Schmerzzustände
Pathophysiologie von Schmerzen; Anamnese und klinische Untersuchung; Intensität von Schmerzzuständen (VAS, NAS); Pharmakologie von Analgetika und Lokalanästhetika; Behandlungstechniken und Stufenschema; interdisziplinäre Zusammenarbeit; Behandlungspläne und Dokumentation
3. Intensivmedizin
Konstruktion und Funktion invasiver und nichtinvasiver Beatmungsgeräte; Kenntnisse über Funktion sämtlicher in der Intensivmedizin benutzter Geräte; Langzeitbeatmung; Entwöhnung nach Langzeitbeatmung;Langzeitintubation; Tracheotomie; Analgesie und Sedierung; Lagerungstechniken; Bronchoskopie (diagnostisch, therapeutisch); Diagnostik und Therapie kardiovaskulärer, respiratorischer und renaler Funktionsstörungen; SIRS, Sepsis, Mehrorganversagen; Flüssigkeits- und Hämotherapie; Parenterale und enterale Ernährung; Hygienemaßnahmen; Mikrobiologie und antibiotische Therapie; Organisation, Dokumentation, Berichtswesen; Umgang mit Angehörigen; interdisziplinäre Absprache; Umgang mit Sterbenden; Spezielle intensivmedizinische Krankheitsbilder

